Modifier-Tasten

Die Modifier sind ein Thema für sich. Insbesondere in Neo, AdNW, etc., wo man noch mehr Modifier benötigt als ohnehin schon:

Strg, Win, Alt, Shift, M3, M4

Nach Möglichkeit sind all diese Tasten sowohl links als auch rechts vorhanden. Wenn man sein Tastaturlayout schon optimiert, liegt es nahe, dass man sich auch Gedanken über die optimale Lage der Modifier-Tasten macht. Ich habe einige Iterationen gebraucht, um zu meiner aktuellen Konfiguration zu kommen.

Verschiebung von M3

Meine erste Änderung eines Modifiers war die Verschiebung der rechten M3-Taste (als ich noch das KOY-Layout benutzte):

Verschiebung der rechten M3-Taste

Diese Änderung halte ich nach wie vor für sinnvoll, da ich die (linke Hälfte der) Ebene 3 deutlich häufiger benutze als das scharfe S.

Vertauschung von Strg, Win und Alt (links)

Diese drei Tasten habe ich immer nur auf der linken Seite benutzt, weil sie je nach Tastatur rechts entweder nicht vorhanden sind oder nicht überall an der gleichen Stelle liegen. Die wichtigste dieser Tasten ist meiner Meinung nach Strg. Ich finde die Position ganz unten links eher unglücklich, weil man jedes mal das Handgelenk einknicken muss, um diese Taste zu betätigen. Deshalb habe ich diese Tasten nach Wichtigkeit sortiert von innen nach außen angeordnet:

Vertauschung von Strg, Win und Alt

Von da an habe ich Strg und Alt mit dem linken Daumen betätigt. Insbesondere Tastenkombination mit Strg + BildAuf / PfeilLinks / Backspace ließen sich damit gut mit den beiden Daumen auf Strg und M4 (=AltGr) eingeben.

Unter Linux gibt dafür sogar ein Option: setxkbmap de koy -option ctrl:swap_lalt_lctl_lwin. Unter Windows kann man diese Tasten dauerhaft mit SharpKeys vertauschen, oder temporär mit AutoHotkey oder per Konfiguration in neo2-llkh. Beim Mac ist die Cmd-Taste, die (meistens) der Strg-Taste unter Linux und Windows entspricht, sowieso innen (also neben der Leertaste).

Dieses Vorgehen hat aber leider zwei Nachteile:

  • Man ist auf eine Tastatur mit kurzer Leertaste angewiesen, damit man die Tasten neben dieser halbwegs gut mit dem Daumen erreichen kann (bei Laptops und bei Apple Standard, bei anderen externen Tastaturen eher die Ausnahme).
  • Mir taten irgendwann die Daumen weh. Ich habe zumindest den Verdacht, dass es hieran liegt. (Auch wenn es bei MacOS üblich zu sein scheint, dass man die linke Cmd-Taste mit dem Daumen betätigt, rät Apple davon ab.)

Da Alt damit besonders schlecht erreichbar wurde, habe ich versucht es soweit wie möglich zu vermeiden, indem ich Shortcuts mit Alt umgemappt habe.

Breites Tastaturlayout als teilweise Abhilfe

Dann bin ich irgendwann auf die Seite "Ergonomic Keyboard Mods" gestoßen, auf der vorgeschlagen wird, die Buchstaben der rechten Hand um eine Taste nach rechts zu verschieben.

VOU wide

Hier sind ´, ß und k vom rechten Rand in die Mitte gewandert. Außerdem habe ich dann k mit q vertauscht, weil k wichtiger ist als q. Mit dieser Änderung war AltGr (M4) besser erreichbar als zuvor. Außerdem waren Enter und Backspace damit näher am kleinen Finger, der kleine Finger hat Tasten an den stärkeren Zeigefinger abgegeben und man kann die Hände etwas weiter auseinander halten. Alles in allem eine gute Verbesserung. Nur leider hilft das nicht bei der Benutzung von Strg.

Zusätzliche Windows-Taste an Stelle von Tab

Als ich von GNOME zu dwm gewechselt habe, wurde die Windows-Taste auf einmal relativ wichtig. Da die Modifier in der unteren Reihe alle nicht so toll gelegen sind, habe ich ein zusätzliche Windows-Taste auf Tab gelegt und Tab um eins nach oben verschoben (ich benutze sowieso Tab auf Ebene 4), siehe Bild oben.

Die Rettung: Modifier auf Buchstabentasten dank KMonad

Mit dem Tool KMonad können Tastaturlayout in Linux, Windows und MacOS definiert werden. Darüber hinaus bietet es Funktionen, die in der beliebten Open-Source-Firmware QMK für mechanische Tastaturen schon lange verfügbar sind. Zum Beispiel kann eine Taste unterschiedliche Funktionen haben, je nachdem ob sie angetippt oder gehalten wird. Oder auch wenn sie mehrmals schnell hintereinander angetippt wird. Oder man kann eine Ebene nur für eine Tasteneingabe lang aktivieren ("One-Shot-Layer").

Damit habe ich alle Modifier auf Buchstabentasten gelegt:

VOU wide

Die bisherigen M3-Tasten sind die neuen Shift-Tasten. Sie können sowohl sequentiell (erst Shift, danach ein Buchstabe) oder ganz herkömmlich als Tastenkombination (Shift wird gehalten) benutzt werden. Alle anderen Modifier benutze ich als Doppelfunktionstasten im Buchstabenfeld. (Shift auf a und n brauche ich nur für Tastenkombinationen mit Ctrl oder M4.) Daher habe ich auch die bisherigen Vertauschungen bzgl. Strg, Win, Alt und Tab wieder rückgängig gemacht.

Die Alternative: Eine bessere Tastatur(-Hardware)

Alle Probleme mit schlecht erreichbaren Modifier-Tasten können auch durch eine vernünftige Tastatur mit zusätzlichen Daumentasten gelöst werden, zum Beispiel:

  • Ergodox EZ
  • Moonlander Mark 1
  • Keyboardio Model 01
  • Keyboardio Atreus
  • Dactyl
  • Kinesis Advantage2
  • Dygma Raise

Leider sind alle diese Tastaturen ziemlich teuer. Und wer sowohl zuhause als auch bei der Arbeit am PC arbeitet, braucht eigentlich gleich zwei davon, wenn er die Tastatur nicht immer hin- und her tragen will. Ich weiß auch nicht, wie gut man noch mit einer Standardtastatur zurecht kommt, wenn man sich erstmal an solch eine fortschrittliche Tastatur gewöhnt hat. Ich bin diesen Schritt jedenfalls (noch) nicht gegangen.